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2022-23: Erneuerung des Fundaments am Bergfried — die Mauern vor und hinter der Burgschänke werden ertüchtigt
Die aktuelle Sanierung des Wachenheimer Wahrzeichens, die wie immer die Mitglieder des Förderkreises unterstützen, hat auch die Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz, Aussenstelle Speyer, auf den Plan gerufen.
„Immer wenn wir nötige Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahmen und dabei auch größere Erdbewegungen vornehmen, schaltet sich die Archäologie aus Speyer ein”, berichtet Dieter Weilacher vom Förderkreis. Bislang habe der Verein knapp 30 Sanierungen auf dem Burggelände durchgeführt. Die aktuelle Massnahme besteht aus vier kleineren Bauabschnitten, wurde 2021 geplant und soll 2024 abgeschlossen sein. Dabei gilt es, das Fundament des Bergfrieds zu erneuern und die Mauern vor und hinter der Burgschänke zu ertüchtigen und mit einer Mauerkrone zu versehen. Ausserdem soll der untere, teilweise historische Mauerteil vor der Bühne saniert werden. Erstmals gab der Förderkreis dafür ein Artenschutzgutachten in Auftrag. Dabei ging es hauptsächlich um Eidechsen, aber auch die Vogelpopulationen im Burgbereich wurden erfasst. Wegen des Artenschutzgesetzes dürfen die Arbeiten nur zu bestimmten Zeiten stattfinden, berichtet Weilacher. Die sanierten Mauern schaffen allerdings auch wieder neuen Lebensraum für die Reptilien.
Unter der Leitung des Archäologen Matthias Hahn, Gebietsreferent auch für die Wachtenburg, gewann sein Team neue Erkenntnisse — vor allem zur Zerstörung des Bergfrieds. „Wir haben nach Abtragung von Steinen und Erdmaterial, wobei wir uns wie immer auf die tatkräftige Hilfe der Mitglieder des Förderkreises verlassen konnten, einen Brandhorizont mit einer flächigen Holzkohleschicht und Resten verkohlter Holzbalken vorgefunden”, berichtet Hahn.
Dieser Fund lässt sich als Mineurgang deuten, der in zwei Flügeln in die Mauer des Bergfrieds getrieben wurde und das Mauerwerk bis zu 60 Prozent untergrub. Der Gang wurde mit brennbarem Material gefüllt und angezündet. Das Mauerwerk hielt der grossen Hitze nicht stand und brach zusammen. Da ein ähnlicher Fund bereits bei früheren Grabungen an der südlichen Ringmauer auftauchte, stützt dies die These, dass der Bergfried ohne Schiesspulver zerstört wurde. „Eine naturwissenschaftliche Analyse des Fundmaterials, die wir in Auftrag geben werden, könnte eine neue Datierung des Zerstörungsereignisses möglich machen”, betont Hahn. Im Bereich der Trockenmauer südlich vom Bergfried fanden die Archäologen einen Laufhorizont, auf dem sich die Menschen im 13. und 14. Jahrhundert bewegt hatten. „Dort haben wir auch eine große Konzentration von Becherkacheln entdeckt, die zur damaligen Zeit mit der Öffnung nach außen in Kachelöfen eingebaut wurden”, erklärt Hahn. Er datiert die Kacheln auf Anfang des 13. Jahrhunderts. „Unser Ziel ist es, die aktuellen Ergebnisse in die endgültige Aufarbeitung der Burggeschichte von Dr. Grönwald mit aufzunehmen, der viele Grabungen wissenschaftlich begleitet hat”, berichtet Willy Bohl, der den Förderkreisvorsitz zu Jahresbeginn von Weilacher übernommen hat. Zum 40-jährigen Bestehen des Förderkreises im nächsten Jahr soll der Abschlussbericht erscheinen. Die aktuelle Sanierung kostet knapp 300.000 Euro; Land, Stadt und Förderkreis tragen je ein Drittel.