2018-19 Grabungsarbeiten an der Ringmauer

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2018-19-20: Archäologische Grabungsarbeiten an der Ringmauer zwischen Südturm und Süd-Ostturm

— Die Massnahme E 2018/039 —

Die Ringmauer zwischen dem Südturm und dem Südost-Turm muss dringend saniert werden. Spätestens 2019/2020 sollten die nötigen Arbeiten beginnen. Die Landesarchäologie Speyer forderte jedoch zuvor archäologische Sondierungsgrabungen. Vom 12. März bis 12. April 2018 gruben vier Studierende der Universität Freiburg und ein Grabungshelfer der Landesarchäologie unter der Leitung von Dr. Holger Grönwald aus Berlin, der auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der bisherigen Grabungen betreut. Grundlage war ein Kooperationsvertrag mit der Universität Freiburg und der Landesarchäologie in Mainz (Aussenstelle Speyer). Im oberen Bereich bis 1,50 Meter Tiefe stiessen die Archäologen auf keine besonderen Funde, entdeckten aber die historische Ringmauer der Palaswand und der Hofwand — 2,50 bis 3 Meter stark. Dabei fanden sie Brandrückstände: Die ursprünglich gelben Steine und der Mörtel hatten sich durch Hitze rot verfärbt. Neben dieser roten Schicht lagen teilweise komplett verkohlte Holzbalken. Diese legten die Archäologen sorgfältig frei, ummantelten sie mit Gips und brachten sie nach Mannheim zur dendrochronologischen Analyse (Altersbestimmung anhand der Jahresringe). Tiefer im Fundamentbereich kam ausserdem eine Spitzhacke zutage, die dort wohl mehrere Hundert Jahre gelegen hatte. Im September 2018 folgte der zweite Grabungsabschnitt.

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Nach der flächigen Untersuchung im Kernburgbereich (2008-2010) und einzelnen Sondagen stand erneut eine grössere Ausgrabung an. Über den Anlass — die dringend nötige Sanierung der östlichen Ringmauer — und die Zusammenarbeit des Förderkreises mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz/Aussenstelle Speyer sowie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg berichtete die Burgzeitung Nr. 76, Seite 5. Die Frühjahrskampagne (12.03.-12.04.2018) erlaubte erste statische Berechnungen und eine Sondierung der Befundlage sowie des weiteren Fundmaterials. Daraufhin dehnten die Archäologen die Fläche vom 03.09. bis 28.09.2018 nach Norden und Süden auf rund 17 m Länge und 5 m Breite aus. Teilweise griffen sie bis zu 3,75 m tief in den Boden ein, was die Burgbesucher mit grossem Interesse verfolgten. Die aufwendige händische Schachtarbeit erforderte eine gut organisierte Logistik, die der Förderkreis mit technischer Unterstützung der Firma Heberger stellte. Mit einer regulären Aktivitätsnummer versehen, ging die Lehrgrabung weit über eine blosse Bauvorbereitung hinaus und nahm den Charakter einer Forschungsgrabung an.

Die archäologischen und Baubefunde beeindruckten in Umfang und Erhaltungszustand: Nach dem Abtrag der Weinbergplanierungen des 19. Jahrhunderts traten am steil abfallenden Hang zwischen der östlichen Ringmauer und der heutigen Terrassenmauer (zwischen Burgmuseum und nördlicher Palaswand) die Reste der historischen Umfassungsmauer aus dem frühen 14. Jahrhundert und der östlichen Palasbegrenzung zutage. Die bisher nur vermutete Zweiphasigkeit des Gebäudes bestätigte sich deutlich: Für die Erweiterung nach Norden verbesserten die Baumeister die Fundamentierung erheblich und versahen sie mit einem abgeschrägten Sockel. Ein 4,20 m breiter Stützpfeiler sicherte zusätzlich das über mindestens drei Etagen aufgehende Mauerwerk samt dem darauf aufsitzenden mächtigen Giebel.

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Was sich im Frühjahr abgezeichnet hatte, liess sich nun auf der gesamten Schnittlänge nachweisen: Palasgebäude und Umfassungsmauer fielen einer systematischen „Niederlegung” zum Opfer (vgl. „Die Rheinpfalz” Nr. 229, „Bad Dürkheimer Zeitung” S. 1 vom 02.10.2018; vgl. https://www.rheinpfalz.de/lokal/ludwigshafen/artikel/krimi-aus-dem-mittelalter-1 Dafür trieben die Zerstörer in „bequemer” Arbeitshöhe — vier bis fünf Steinlagen über dem Bodenniveau — längs der Mauer einen Kanal bis ins Kernmauerwerk. Eingeschichtete, in Brand gesetzte Balkenlagen erhitzten die Mauern so stark, dass sie unter extremer thermischer Spannung einstürzten. Vom Schutt begraben, blieben die Brandhorizonte mit kräftiger roter Verfärbung und umfangreichen Holzkohleresten erhalten. Eine dendrochronologische Analyse soll den Zerstörungszeitpunkt enger eingrenzen. Fundmaterial und Befunde legen nahe, die Zerstörung nach der Eroberung 1470 anzusetzen. Ob sie unmittelbar danach oder erst einige Zeit später erfolgte, müssen die naturwissenschaftlichen Datierungen noch klären.

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Unabhängig davon öffnete sich ein einzigartiges Zeitfenster, das den Augenblick der Zerstörung und die angewandte Methode eindrucksvoll erkennen liess. Zwar sind einzelne Befunde sogenannter Unterminierungen bekannt, doch in solchem Umfang hat man Vergleichbares bislang nie angetroffen. Am Fuss der Mauern überraschten verschüttete historische Begehungshorizonte mit Abfällen der Burgbewohner — knöcherne Speisereste und Keramikscherben. Rätsel gibt zudem die Bestattung eines vollständigen Schweins in einer Grube unmittelbar vor dem Stützpfeiler auf. Warum es nicht anders verwertet und ausgerechnet hier entsorgt wurde, bleibt zu klären. Den Erfolg der Kampagne verdanken wir dem intensiven Einsatz der Förderkreismitglieder und der Studierenden. Im kommenden Jahr stehen Fortsetzung und Abschluss der Ausgrabungen an. Sie sollen das gesamte Areal der geplanten Sanierung umfassen und auch die östlichen Eckbereiche des Palas erschliessen, um das Gebäude erstmals in seiner vollen Ausdehnung zu erfassen. Dabei wird sich zeigen, ob die Niederlegung an den Palaslängsseiten ebenso systematisch wie an der Ostseite erfolgte. Für die Entwicklungsgeschichte der Burg ergeben sich daraus wertvolle, bislang unzugängliche Erkenntnisse. Auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, wie die erhaltenen Baubefunde gesichert, teilweise ergänzt und in den sichtbaren Denkmalbestand eingebunden werden können.

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